Pfingstrosen vermehren – Infos zu Teilung, Stecklinge und Samen

Paeonia mascula, Korallen-Pfingstrose

Sie sind von unvergänglicher Schönheit und möchten in Ruhe gelassen werden. Diese Assoziationen flankieren Pfingstrosen seit Generationen. Infolge dessen scheuen Hausgärtner, die floralen Schmuckstücke zu vermehren. Faktisch stehen gleich mehrere Methoden zur Auswahl bereit für die Nachzucht von Päonien. Diese Anleitung erläutert detailliert, wie Sie Stauden-Pfingstrosen und Strauchpfingstrosen erfolgreich vermehren. Praxisorientierte Infos zu Teilung, Stecklinge und Samen mit nützlichen Tipps zu Zeitpunkt und Verfahrensweise zeigen, wie es richtig geht.

Teilung erst im Alter

Teilung erst im fortgeschrittenen Alter

Wann Sie eine Paeonia teilen, bestimmt maßgeblich über das Resultat. Gewähren Sie Ihren Pfingstrosen ein Zeitfenster von mindestens 5 Jahren, damit sie sich am Standort ungestört etablieren können. Erst dann sind die opulenten Blütenschönheiten dem Stress einer Teilung gewachsen.

Das gilt für eine krautige Bauernpfingstrose ebenso, wie für die majestätische Baumpfingstrose. Als Jahreszeit hat sich der Herbst in der Praxis besten bewährt. Verwenden Sie bitte scharfes Werkzeug, das Sie zuvor mit hochprozentigem Alkohol desinfiziert haben.

So machen Sie es richtig:

  • den Wurzelstock weiträumig ausgraben
  • auf eine stabile Unterlage legen
  • mit einem Spaten, einer Schere oder Säge teilen
  • jedes Segment verfügt über mindestens 2 Augen (Knospen)
  • Schnittwunden bestäuben mit Gesteinsmehl oder Holzkohleasche
Paeonia mascula, Korallen-Pfingstrose
Paeonia mascula, Korallen-Pfingstrose

Für jedes Teilstück heben Sie am sonnigen Standort eine Pflanzgrube aus. Dem Aushub geben Sie etwas reifen Kompost oder Hornspäne hinzu, um die Verwurzelung voranzutreiben. Achten Sie bitte darauf, dass die bisherige Pflanztiefe möglichst präzise beibehalten wird. Zum guten Schluss gießen Sie die Päonien reichlich bemessen an. An Stauden-Paeonia können Sie sich die Arbeit erleichtern, indem Sie die Pflanzen zuerst bis auf 5 cm zurückschneiden. Strauchpfingstrosen können Sie bei dieser Gelegenheit von Totholz befreien und gründlich auslichten.

Stecklings-Vermehrung

Anleitung für die Stecklings-Vermehrung

Dank ihrer verholzenden Triebe sind Strauchpfingstrosen perfekt geeignet für die vegetative Vermehrung unter Verwendung von Ablegern. Das chinesische Ziergehölz trägt von April bis in den Juni hinein sein prachtvolles Blütenkleid. Steht die Pflanze am Ende ihrer Blütezeit voll im Saft, ist dies der ideale Termin, um Stecklinge zu schneiden.

In diesen Schritten gehen Sie fachgerecht vor:

  • halbverholzte, nicht blühende Kopfstecklinge abschneiden mit einer Länge von 10-15 cm
  • die unteren Blätter abzupfen und die Schnittstelle in Bewurzelungspulver tunken
  • Stecklinge einzeln zu zwei Drittel in Töpfe mit Torf-Sand oder Anzuchterde setzen und angießen
  • jeden Topf mit einer transparenten Haube versehen
  • mit Holzstäbchen als Abstandhalter den Kontakt zwischen Abdeckung und Steckling unterbinden
  • am halbschattigen, warmen Fensterplatz konstant leicht feucht halten
  • die Abdeckung täglich lüften, um Schimmel und Fäulnis vorzubeugen

Unter Gewächshausbedingungen bestehen die besten Chancen auf eine zügige Bewurzelung. Dennoch kann es mehrere Monate dauern, bis ein frischer Austrieb den erfolgreichen Verlauf des Wurzelwachstums signalisiert. Daraufhin darf die Haube entfernt werden. Hat eine junge Paeonia ihren Topf vollständig durchwurzelt, kann sie im Frühjahr oder Herbst am sonnigen Standort ausgepflanzt werden.

Paeonia suffruticosa, Baum-, Strauch-Pfingstrose
Paeonia suffruticosa, Baum-, Strauch-Pfingstrose

Züchten erfordert Geduld

Züchten aus Samen erfordert Geduld

Die gärtnerische Messlatte liegt hoch, um Päonien aus Samen erfolgreich zu züchten. Ein Päonien-Same ist nur dann zur Keimung zu motivieren, wenn er eine Kälteperiode durchlaufen hat. Keimlinge lassen es anschließend gemächlich angehen mit dem Wachstum, sodass 5 Jahre und mehr ins Land ziehen, bis die erste Blüte erscheint.

Belohnt wird die Mühe mit einer ganzen Schar neuer Pfingstrosen, die zum Zeitpunkt ihrer ersten Blüte mit unerwarteten Farben und Formen überraschen können. Im Gegensatz zur vegetativen Vermehrung mittels Teilung oder Stecklingen, kann zum Resultat einer generativen Nachzucht von Paeonia mittels Aussaat keine zuverlässige Prognose getroffen werden. Die einzelnen Phasen einer vorbildlichen Aussaat werden im Folgenden näher beleuchtet.

Beste Zeitpunkt

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Unter normalen Witterungsbedingungen sind die Balgfrüchte an einer abgeblühten Paeonia ab Mitte September prall gefüllt mit reifen Samen. Das gilt für nahezu alle Stauden-Pfingstrosen und Strauchpfingstrosen. Einzig die intersektionellen Hybriden, wie Itoh-Päonien sind steril und liefern kein keimfähiges Saatgut. Je frischer ein Samenkorn, desto keimfreudiger. Es ist daher zu empfehlen, unmittelbar nach der Samenernte die Aussaat anzugehen.

Paeonia officinalis, Pfingstrose
Paeonia officinalis, Pfingstrose

Stratifizierung

Stratifizierung leicht gemacht

Mutter Natur hat die Embryos von Pfingstrosen innerhalb der Samenhülle ausgestattet mit einer Keimhemmung. Ein einzelner Same bleibt so lange in Wartestellung, bis eine 8- bis 12-wöchige Kälteperiode signalisierte, dass der Winter vorbei ist. Mit dieser Strategie wird verhindert, dass Paeonia inmitten der kalten Jahreszeit keimen und erfrieren. Um Pfingstrosen unter kontrollierten Bedingungen zu züchten, wird das Saatgut simulierter Winterwitterung ausgesetzt und erst anschließend ausgesät.

Diese Vorgehensweise wird im Fachjargon als Stratifizierung bezeichnet und so umgesetzt:

  • die kugeligen, schwarzen Samen aus den geöffneten Balgfrüchten von Stauden- oder Strauchpfingstrosen pflücken
  • unter fließendem Wasser gründlich reinigen
  • für 24-36 Stunden einweichen in lauwarmem Kamillentee
  • in eine Plastiktüte mit feuchtem Sand füllen und fest verschließen
  • für 4-6 Wochen im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren bei 0 bis +4 Grad Celsius
  • wöchentlich den Feuchtigkeitsgehalt des Sands überprüfen

Der Sand sollte während der Kälteperiode nicht vollkommen austrocknen, sondern leicht feucht bleiben. Einfrieren darf das Saatgut ebenfalls nicht, denn Temperaturen deutlich unter 0 Grad Celsius überlebt ein Päonien-Embryo nicht.

Aussaat

Haben die Samen das Verfahren der Stratifizierung absolviert, mündet die Aussaat in das Prozedere für Normalkeimer. Dabei ist zu beachten, dass das Saatgut von Päonien schrittweise an höhere Temperaturen gewöhnt wird.

So geht es:

  • kleine Töpfe oder eine Saatschale füllen mit Saaterde
  • darin die keimenden Samenkörner 1 bis 2 cm tief in das Substrat stecken
  • dünn übersieben mit Sand oder Vermiculite und mit Wasser besprühen
  • für 8 bis 10 Tage aufstellen am halbschattigen Standort bei 12 Grad Celsius
  • daraufhin die Temperatur auf 20 bis 23 Grad Celsius erhöhen
  • das Substrat regelmäßig besprühen mit zimmerwarmem Wasser
  • keinen Dünger verabreichen

Die Bemessung des Feuchtigkeitsgehaltes im Substrat erfordert Fingerspitzengefühl. Da die Paeonia-Keimlinge ihre Wurzeln erst noch ausbilden müssen, sind sie permanent von Trockenstress bedroht. Andererseits löst ein Übermaß an Feuchtigkeit Schimmel und Fäulnis aus. Indem Sie in der Saatschale oder im Anzuchttopf auf dem Boden mit Blähtonkugeln eine Drainage anlegen, wird Staunässe in dieser heiklen Phase effektiv umgangen.

Paeonia officinalis, Pfingstrose
Paeonia officinalis, Pfingstrose

Da sich das Wachstum von Keimblättern und ersten Laubblättern über die dunkle und kalte Jahreszeit erstreckt, empfehlen wir, den Lichtmangel mit Pflanzenlampen auszugleichen. Sofern Sie Pfingstrosen auf der Fensterbank züchten, sind die Keimlinge in einem beheizbaren Zimmergewächshaus vor kaltem Durchzug gut geschützt.

Pikieren und umtopfen

Pikieren und umtopfen – So gelingt es

Nimmt die Aussaat den erwarteten Verlauf, herrscht früher oder später im Saatgefäß drangvolle Enge. Nachdem sich die beiden Keimblättchen entwickelt haben, sprießen daraufhin die ersten echten Blätter. Verfügen die Päonien-Keimlinge über 3 bis 4 Blattpaare sind sie kräftig genug, um in Einzeltöpfe pikiert zu werden.

So vereinzeln Sie Stauden- oder Strauchpfingstrosen richtig:

  • gut geeignet sind 12 cm oder 13 cm Pikiertöpfe aus stabilem, UV-beständigem Kunststoff
  • über dem Wasserablauf eine 1 bis 2 cm starke Drainage aus Blähton oder Tonscherben anlegen
  • darüber eine erste Schicht Pikiererde oder mit Sand abgemagerte Blumenerde einfüllen
  • mit einem Löffel oder Pikierstab den Keimling aus dem Saatgefäß heben
  • mittig in die Pikiererde einpflanzen unter Beibehaltung der bisherigen Pflanztiefe
  • das Substrat mit dem Pikierstab leicht andrücken für einen guten Bodenschluss

Gießen Sie die kleinen Pfingstrosen etwas an und verbringen sie für 8 Tage zur Regeneration an einen warmen, halbschattigen Fensterplatz. Haben sich die Jungpflanzen gut akklimatisiert, nehmen sie einen sonnigen Platz ein. Nach etwa 6 Wochen sind die Nährstoffvorräte in der Pikiererde aufgezehrt.

Paeonia officinalis, Pfingstrose
Paeonia officinalis, Pfingstrose

Ab diesem Zeitpunkt setzt die Nährstoffversorgung ein, indem Sie alle 4 Wochen einen Flüssigdünger in halber Konzentration verabreichen. Wann Sie eine selbst gezüchtete Paeonia auspflanzen, hängt vom Fortschritt des Wachstums ab. Wie Erfahrungswerten im Hausgarten zu entnehmen ist, sind Päonien innerhalb von 2 bis 3 Jahren den Bedingungen im Freiland gewachsen.

Direktaussaat

Direktaussaat unterliegt zahlreichen Unwägbarkeiten

Angesichts des langen Zeitraums bis zur Keimung und eines raumgreifenden Habitus heranwachsender Paeonia, steht nicht immer genügend Raumkapazität zur Verfügung. Um dennoch mehr Jungpflanzen zu züchten, als Sie durch Teilen oder über Stecklinge erhalten, rückt die Direktaussaat in den Fokus.

Wahlweise lassen Sie der Natur einfach freie Hand und schneiden einige der verwelkten Blüten nicht ab. Die daraus entstehenden Balgfrüchte reißen im Herbst auf und verteilen das Saatgut im Garten. Innerhalb von 5 bis 7 Jahren gedeihen neue Stauden- und Pfingstrosen dort, wohin der Samenkörner fielen.

Um diese gezielt auszusäen, gehen Sie so fachgerecht vor:

  • im September am sonnigen Standort die nährstoffreiche, frische Erde gründlich jäten und harken
  • im Abstand von 60 cm für Stauden-Pfingstrosen und 100 cm für Strauchpfingstrosen 10 bis 15 cm tiefe Löcher ausheben
  • in jede Pflanzgrube einen Wühlmauskorb einstellen und mit lockerem Substrat füllen
  • jeweils 1 bis 2 Samenkörner samendick in die Erde stecken und dünn übersieben
  • mit feiner Brause befeuchten und einem engmaschigen Netz gegen Vogelfraß schützen
Paeonia officinalis, Pfingstrose
Paeonia officinalis, Pfingstrose

Im Rahmen der Direktaussaat erfahren die Samenkörner auf natürlichem Weg den nötigen Kältereiz für die Überwindung der Keimhemmung. Den Winter hindurch breiten Sie zum Schutz vor klirrendem Frost und zu viel Nässe eine Laubschicht über dem Beet aus.

Wann sich die Saat zur Keimung entschließt, hängt von den lokalen Licht-, Temperatur- und Bodenverhältnissen ab. Bis dahin lassen Sie die Erde nicht austrocknen und jäten konsequent jegliches Unkraut. Trotz liebevoller Pflege ist dennoch mit einer Ausfallquote von mehr als 50 Prozent zu rechnen.