Himbeeren vermehren – Anleitung für alle Methoden

Himbeeren vermehren

Frisch geerntete Himbeeren aus dem eigenen Garten sind ein echter Leckerbissen. Wer eine besonders gute Sorte sein eigen nennt, kann deren Erträge durch eine Vermehrung der Pflanze deutlich erhöhen. Die kann über Stecklinge, Ausläufer, Absenker, Ableger oder Wurzelschnittlinge sowie durch Aussaat erfolgen. Die einfachste und erfolgversprechendste Methode ist die Vermehrung über Ausläufer. Wesentlich aufwendiger und problematischer ist eine Aussaat, sie ist sehr langwierig und nicht immer von Erfolg gekrönt.

Stecklinge

Grundsätzlich ist die Vermehrung geschützter Züchtersorten mit Sortenschutz auch für den Eigenbedarf verboten. Von allen anderen können im Frühsommer Stecklinge von jungen, leicht verholzten Trieben geschnitten werden. Sie sollten über mindestens zwei Blätter verfügen.

Direkt nach dem Schnitt steckt man sie in ein nährstoffarmes Anzuchtsubstrat. Anschließend deckt man das Anzuchtgefäß mit einer lichtdurchlässigen Folie ab und stellt es an einen hellen, warmen Platz. Meist haben sich sich nach 2 – 3 Wochen Wurzeln gebildet, sodass die Stecklinge an ihren endgültigen Platz im Garten ausgepflanzt werden können.

Beim Auspflanzen ist darauf zu achten, nicht dorthin zu pflanzen, wo bereits einmal Himbeeren standen. Himbeeren zählen zu den Rosengewächsen und die sind mit sich selbst unverträglich. Im Gegensatz dazu kann eine Pflanzung mit Rainfarn, Knoblauch, niedrigen Erbsensorten, Zwiebeln oder Buschbohnen förderlich für die Himbeere sein.

Steckhölzer

Generell ist der Herbst, wenn die Himbeere ihre Blätter verloren hat, der beste Zeitpunkt sie mittels Steckhölzern zu vermehren. Jetzt befinden sie sich in der Vegetationsruhe. Zunächst wählt man ausgereifte, einjährige, verholzte und möglichst kräftige Triebe oder Triebteile aus und schneidet diese bodennah ab.

Himbeeren im eigenen Garten durch Ableger zum Beispiel vermehren

  • den Trieb in 10 – 20 cm lange Teilstecklinge schneidenIdealerweise dicht unterhalb der unteren Knoten
  • Knoten sind die Bereiche eines Triebes an denen sich ein oder mehrere Blätter bilden
  • danach sollte der obere Sprossteil des Steckholzes länger und der untere kürzer sein
  • das hat Vorteile beim späteren Einpflanzen
  • die so gewonnenen Steckhölzer bis zum nächsten Frühjahr kühl lagern
  • Schnittstellen mit Baumwachs versiegeln und Steckhölzer in feuchten Sand legen
  • sobald der Boden frostfrei ist, Steckhölzer frisch anschneiden und einpflanzen
  • immer in der richtigen Wuchsrichtung in den Boden stecken
  • nur der obere Teil des Steckholzes sollte aus dem Boden herausragen
  • die Erde andrücken und das Ganze angießen
  • ein Verdunstungsschutz ist nicht erforderlich, da Steckhölzer keine Blätter besitzen

Auch wenn sich Steckhölzer etwas langsamer entwickeln, ist eine Vermehrung über Steckhölzer und Stecklinge besonders ergiebig. Denn aus einem Trieb lassen sich gleich mehrere Jungpflanzen gewinnen.

Wurzelschnittlinge

Eine Vermehrung über Wurzelschnittlinge bietet sich vor allem für moderne Himbeersorten an, denn die bilden meist deutlich weniger bis gar keine Ausläufer. Ein guter Zeitpunkt ist auch hier von Oktober bis Dezember, solange der Boden nicht gefroren ist. Zunächst legt man die Wurzel teilweise frei und schneidet ein oder mehrere junge und kräftige Teile der Wurzel ab.

Diese sollten über Seitenwurzeln aber keinen Spross verfügen und etwa 10 cm lang sein. Anschließend legt man diese Schnittlinge etwa 5 cm tief in kleine Töpfe in sandige und feuchte Erde und stellt sie an einen kühlen, frostfreien Platz. Erfahrungsgemäß ist die Anwachsrate umso größer, je dicker die Jungwurzel ist. In der Regel treibt sie bis zum Frühjahr an mehreren Stellen aus und kann nach draußen gepflanzt werden.

Es gibt auch die Möglichkeit, die Wurzelschnittlinge nach dem Schnitt etwa 10 cm tief direkt im Garten in den Boden zu setzen. Dann müssen sie jedoch vor Frost geschützt werden, um keine Schäden davon zu tragen. Da kann man tun, indem man den Bereich mit Stroh, trockenem Laub, Rindenmulch oder Torf abdeckt. Um die Pflanzstelle im Frühjahr problemlos wieder zu finden, ist es ratsam, sie mit einem kleinen Stock oder Ähnlichem zu markieren. Etwa ab März kann die Abdeckung entfernt werden, damit die Sonne den Boden erwärmen kann.

Ableger

Zur Gewinnung von Ablegern sind der Winter und das Frühjahr geeignete Zeitpunkte. Zuerst wählt man einen oder mehrere bodennahe Triebe aus. Diese Triebe werden jeweils in eine kleine Rinne im Boden gelegt und dort fixiert, ohne sie mit Erde zu bedecken.

Sobald die neuen Triebe über die Erdoberfläche hinausragen, wird die Bodenrinne mit Erde aufgefüllt. So können die jungen Pflanzen je nach Zeitpunkt der Vermehrung, bis zum Herbst oder Frühjahr kräftige Triebe mit ausreichend Wurzeln entwickeln. Schließlich können die Ableger von der Mutterpflanze und voneinander getrennt und verpflanzt werden.

Himbeeren sind in ihrer Aussaat eher problematischer

Absenker

Eine Vermehrung über Absenker ist etwas langwieriger als über Ableger. Sie kann wahlweise im März oder Spätherbst erfolgen, vorausgesetzt die Ruten sind lang genug und der Boden frostfrei. Im Gegensatz zu Ablegern entwickeln Absenker meist nur eine Jungpflanze. Bei beiden Methoden werden ein oder mehrere Triebe in die Erde abgelegt, während sie mit der Mutterpflanze verbunden sind.

  • sie werden vorsichtig zum Boden heruntergebogen
  • dann in eine längliche kleine Mulde gelegt und mit Erde bedeckt
  • für besseren Halt mit kleinen Drähten, Astgabeln oder Heringen fixieren
  • Absenker können auch ohne eine solche Mulde auf dem Boden fixiert werden
  • dann besteht die Gefahr, dass beim Wässern zu viel Erdreich weggeschwemmt wird
  • Spitze des Triebes sollte aus dem Boden herausschauen
  • gegebenenfalls an einem kleinen Stab befestigen
  • nach einiger Zeit haben sich an den Trieben Wurzeln gebildet
  • Absenker können von der Mutterpflanze getrennt und verpflanzt werden

Ausläufer

Für wilde Himbeeren in freier Natur ist die Bildung von Ausläufern überlebenswichtig. Im Garten ist eine eigenständige Ausbreitung über Ausläufer oft nicht gewünscht, wobei moderne Züchtungen mit besonders großen Früchten, die Eigenschaft der Ausläuferbildung weitestgehend verloren haben. Sofern die betreffende Himbeere Ausläufer bildet, können diese zur Vermehrung genutzt werden.

Dazu sucht man idealerweise im Herbst bereits gut entwickelte, oberirdisch beblätterte Ausläufer, die man dann mit einem scharfen Spaten von der Mutterpflanze absticht und ausgräbt. Wichtig ist, dass die betreffenden Ausläufer über ausreichend Wurzeln verfügen. Sie können direkt an ihren neuen Standort eingepflanzt werden. Wer eine zu starke Ausbreitung dieser Pflanzen verhindern möchte, kann, bestenfalls schon bei der Pflanzung, eine entsprechende Wurzelsperre im Boden einbringen.

Die schwarze Himbeere ist ein Sonderfall. Sie ist in heimischen Gärten noch relativ selten zu finden und bringt sehr ebenmäßige und widerstandsfähige Früchte hervor. Im Gegensatz zu anderen Sorten bildet sie keine Ausläufer, sodass diese Art der Vermehrung entfällt. Eine Anzucht durch Absenker oder Stecklinge ist aber problemlos möglich.

Samen

Am schwierigsten und langwierigsten ist die Vermehrung der Himbeere über Samen. Die Früchte der so gewonnenen Pflanzen ähneln eher denen kleinerer Wildsorten. Verfügt man bereits über eine Pflanze, kann man deren Früchten zur Samengewinnung nutzen. Die dazu verwendeten Früchte sollten voll ausgereift sein.

Man erntet sie und unterzieht sie etwa 5 Monate lang einer Kalt-Nassbehandlung, indem man sie in Wasser einweicht und darin gären lässt. Am Ende dieses Prozesses ist das Fruchtfleisch aufgeweicht und gibt die Samen nach kräftigem Umrühren oder Schlagen frei. Bei den Samen der Himbeere handelt es sich um lichtgehemmte Samen, d.h. sie keimen bei Dunkelheit und Kälte am besten.

  • man sät sie in nährstoffarmer Anzuchterde aus
  • die sollte möglichst keimfrei sein
  • Samen mit einer dünnen Schicht Erde bedecken
  • das Substrat gut anfeuchten und bis zur Keimung gleichmäßig feucht halten
  • das Pflanzgefäß bzw. Saatgut mit einer lichtdurchlässigen Folie abdecken
  • das Ganze an einen dunklen und kühlen Ort, beispielsweise in einen Keller stellen
  • bis zur Keimung kann es zwischen 4 – 6 Wochen und 1- 2 Jahren dauern
  • erscheinen die ersten Keimlinge müssen sie an einen wärmeren Ort umziehen
  • das kann z.B. in einem Gewächshaus oder bei Zimmertemperatur sein
  • das Substrat weiterhin konstant feucht halten

Nach weiteren 4 Wochen können die Keimlinge vorsichtig vereinzelt und in kleine Töpfe umgepflanzt werden. Haben sie eine Größe von etwa 20 cm erreicht, können sie in den Garten umziehen. Bis diese Pflanzen das erste Mal Früchte tragen, wird mindestens ein Jahr vergehen.